Kevin Kühnert: „Fußball genießt Sonderrechte“

Kevin Kühnert - Copyright: SPORT1
Kevin Kühnert – Copyright: SPORT1

Kevin Kühnert kritisierte in „Der CHECK24 Doppelpass“ den Bundesliga-Restart und das Hygienekonzept der DFL: „Zu sehr in den Himmel gelobt.“

Fußball Bundesliga Neustart – Die falsche Entscheidung

Beschluss zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie

Dynamo Dresden Team in Quarantäne

10.05.2020 – PM Sport1 / SPORT4FINAL ZEPPI / Frank Zepp:

Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD, äußerte sich in „Der CHECK24 Doppelpass“ auf SPORT1 kritisch zum Neustart der Bundesliga und dem Hygiene-Konzept der DFL. Zudem sieht Kühnert Probleme bei den Gesundheitsämtern. Spielerberater Volker Struth gibt einen Ausblick auf die kommenden Transfer-Perioden und deutete einen Verbleib von Dayot Upamecano bei RB Leipzig an. Markus Weinzierl, Ex-Trainer von Schalke, Stuttgart und Augsburg, appellierte an die Vorbild-Funktion der Spieler. SPORT1 Experte Stefan Effenberg bewertete die Situation der Mannschaften in Quarantäne. Die wichtigsten Aussagen des „CHECK24 Doppelpass“:

Kevin Kühnert (Bundesvorsitzender der Jusos und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD):

… über den Neustart der Bundesliga am 16. Mai: „Ich finde es eine falsche Entscheidung. Trotzdem wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mich nicht auf Spiele freue. Natürlich fehlen mir die Spiele auch. Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich komme politisch aber zu einem anderen Ergebnis.

„Ich finde es schwierig, dass wir Schulkinder haben, die Elternzettel ausgeteilt bekommen, dass sie nach Hause geschickt werden, wenn sie die Regeln nicht einhalten. Diese Kinder sehen jetzt zwei Mal die Woche, wie ihre Lieblinge auf dem Rasen stehen und Zweikämpfe führen und Rudelbildungen entstehen. Dass wir die Debatte befeuern, ob der Fußball Sonderrechte genießt. Und natürlich ist das auch ein Sonderrecht. Es geht um wirtschaftliche Aspekte, es geht ums Überleben der Branche. So geht es vielen Menschen im Land aber gerade auch.“

… über das Hygienekonzept der DFL: „Das Hygienekonzept der DFL wird mir zu sehr in den Himmel gelobt. Es ist keine Allheilmittel. Wenn die Infektion festgestellt wird, dann ist sie da. Das kann kein Konzept der Welt verhindern.“

… über Probleme mit den Gesundheitsämtern: „Wir haben unterschiedliche Entscheidungen. In der Auswirkung auf den Spielbetrieb hat das unterschiedliche Auswirkungen, jetzt haben wir schon die Diskussion. In den Gesundheitsämtern sitzen ja vielleicht auch Fans. Ob alle da rationale Entscheidungen treffen, ist die Frage.“

… über den Unterschied zwischen Fußball und anderen Bereichen: „Es gibt im Fußball einen entscheidenden Unterschied zu anderen Bereichen. In der Bundesliga hängt alles davon ab, dass alle spielen. Sonst kann ich keine Saison zu Ende bringen. Ein Verein ist in der Lage, dass der ganze Spielbetrieb eingestellt werden muss.“

… über den Fall Salomon Kalou: „Das Konzept, das die DFL vorgelegt hat, steht unter Beobachtung. Da ist die Situation um Kalou natürlich Gift. Es ist aber nicht nur der Fall Kalou, sondern es gibt einen Einblick in eine Kabine eines Profiklubs. Das scheint eine normale Situation zu sein. Da bleibt der Verdacht, dass das kein Once-in-a-Lifetime-Moment war. In der Kabine gab es überhaupt keine Vorkehrungen, ein Signal zu geben, die Regeln einzuhalten. Die Frage ist ja: Wenn wir nochmal so ein Video bekommen, was passiert dann eigentlich? Wird dann die Mannschaft aus dem Spielbetrieb genommen, wie geht man denn damit um?“

Markus Weinzierl (Ex-Trainer von Schalke, Stuttgart und Augsburg):

… über die Situation der Profis: „Spaß macht das den Spielern jetzt nicht, aber es gibt keine Alternative. Ich gehe davon aus, dass alle im Hotel bleiben und sich diszipliniert verhalten. Die Spieler haben jetzt eine Vorbildfunktion. Sie müssen dem Vertrauensvorschuss gerecht werden. Der Trainingsumfang ist weniger. Die Spieler werden viel Freizeit haben, weswegen man aber auch nichts ausschließen kann.“

… über die sportlichen Auswirkungen der Wiederaufnahme des Spielbetriebs: „Es ist wie ein Neustart. Für Mannschaften, für die es vor der Pause schlechter gelaufen ist, ist es die Möglichkeit, mit einer englischen Woche gut zu starten. Es ist gut möglich, wieder Schwung aufzunehmen. Bei Dresden ist der Schwung draußen, das ist klar.“

… über die Corona-Fälle bei Dynamo Dresden: „Das ist ein riesiger Nachteil für Dresden. Man kann nicht erwarten, wenn sie Sonntag aus der Quarantäne kommen, dass sie dann Mittwoch wieder spielen. Ich glaube aber, dass so ein Fall in dem Plan der DFL noch handelbar ist. Öfter sollte es aber nicht vorkommen. Das ist ja alles ein Überlebenskampf. Wenn das öfter der Fall ist, dann wird es schwierig, dass zu Ende zu spielen. Es ist nur machbar, wenn nur der Infizierte raus genommen wird.“

Volker Struth (Spielerberater):

…. über die Zukunft des Profi-Fußballs und kommende Transferperioden: „Für Spieler mit auslaufenden Verträgen ist eine schwierige Situation. Ich glaube an keine großen Transfers, sondern viele Leihgeschäfte. Es wird einen sehr beruhigten Markt geben. Wir werden alle einmal durchgerüttelt. Immer vorausgesetzt, die Geisterspiele finden statt. Sonst braucht man über gar nichts mehr reden. Wenn die Geisterspiele nicht stattfinden, wird es auch im September oder Oktober keinen Fußball geben. Dann wird es erst wieder mit einem Impfstoff Fußball geben, das wäre das Ende des Profi-Fußballs.“

… über einen Transfer von Leipzigs Dayot Upamecano: „Wieso muss ihn ein Verein aufnehmen, der Vertrag läuft nicht aus. Ein Verbleib in Leipzig ist eine Möglichkeit. Aber wie ich bereits sagte, glaube ich nicht an große Transfers. Upamecano ist ein solcher. Dann ist die Aussage ja eigentlich getan.“

SPORT1 Experte Stefan Effenberg:

… über die Situation innerhalb der Mannschaft: „Die Tage sind für die Spieler jetzt sehr lang. Im Hotel ist es wie im Trainingslager, der Rhythmus wird schwierig. Die Führungsspieler haben jetzt eine entscheidende Rolle. Sie müssen das Team mitnehmen.“

… über die Corona-Fälle bei Dynamo Dresden: „Das ist natürlich ein Rückschritt. Es gilt nun wirklich zu überlegen, alles abzubrechen. Wenn solch ein Fall auch in der ersten Liga auftritt, dann müssen wir die Bundesliga abbrechen. Ich bin natürlich auch Pro weiterspielen. Wenn eine Mannschaft aber 14 Tage nicht trainieren kann, wie sollen sie dann in den Spielbetrieb kommen. Wenn das in der Bundesliga passiert, dann wäre das ein fataler sportlicher Nachteil für den Verein, den du gar nicht mehr aufholen kannst.“

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