Herbert Hainer: „Geisterspiele eine Herausforderung“

Herbert Hainer Sport1
Herbert Hainer – Copyright SPORT1 | Nadine Rupp

Herbert Hainer, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, über Solidarfonds:

„Auch an einem Solidarfonds würde sich der FC Bayern beteiligen. Wir haben ja ein Interesse daran, dass es die Bundesliga gibt.“

Herbert Hainer über Alexander Nübels Wechsel von Schalke zum FC Bayern: „Wir sind froh, dass wir ihn haben und sind mit ihm und Manuel Neuer sehr gut besetzt. Man muss auch jungen Torhütern Fehler zugestehen. Entscheidend ist das Potenzial. Wir gehen davon aus, dass er das bei Bayern weiter entwickeln kann.“

Markus Söder: „Experiment gelungen“

DFL Entscheidungen vor Restart der Fußball Bundesliga

Fußball Bundesliga Neustart – Die falsche Entscheidung

DFL Bundesliga Konzept vor Restart gescheitert

17.05.2020 – PM Sport1 / SPORT4FINAL ZEPPI / Frank Zepp:

Herbert Hainer, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, hat sich in „Der CHECK24 Doppelpass“ auf SPORT1 über den Titelkampf, Transfers und die Münchner Führungsriege geäußert. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach über den Münchner Neuzugang Alexander Nübel. Der Ex-Schalker Dennis Aogo und der früherer Dortmunder Roman Weidenfeller gingen auf die Erkenntnisse des Revierderbys ein, während SPORT1 Experte Marcel Reif den Bremer Innensenator Ulrich Mäurer kritisierte. Die wichtigsten Aussagen des „CHECK24 Doppelpass“:

Herbert Hainer, Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, auf SPORT1:

… über Verträge und die aktuellen Verhandlungen: „Alle Spieler schätzen es, beim FC Bayern zu spielen. Sie wollen Titel gewinnen. Das gilt auch für Manuel Neuer. Deshalb bemühen wir uns auch um ihn, Alaba und Thiago. Das liegt aber nicht nur in unserer Macht. Da müssen die Spieler auch zustimmen. Manche machen sich auch Gedanken darüber, ob sie vor ihrem Karriere-Ende auch noch mal woanders spielen wollen. Das ist auch ihr gutes Recht. Aber ich bin optimistisch.“

… über langfristige Planung: „Nach David Alaba vor acht Jahren ist es uns nicht mehr geglückt, ein Talent hoch zu ziehen. Deswegen haben wir uns vor drei Jahren im Vorstand und Aufsichtsrat entschieden, die Jugendarbeit mit dem Nachwuchsleistungszentrum neu zu strukturieren. Die ersten Erfolge sieht man jetzt. Das ist auch ein Weg, diesem Transferwahnsinn, den wir vor Corona hatten, aus dem Weg zu gehen. Ich kenne viele Spieler, die zum FC Bayern wollen.“

… über Probleme bei Verhandlungen: „Geld wird zu stark in den Vordergrund gestellt. Es geht um Lebensplanung – darum, dass die Spieler auch noch andere Erfahrungen sammeln wollen. Es geht um Stammpositionen in der Mannschaft. Das muss man alles zusammenfügen. Das ist wegen Corona nicht einfacher geworden. Wenn wir bis zum Jahresende Geisterspiele haben, fehlen der Bundesliga zwischen 200 und 400 Millionen Euro. Das ist auch für den FC Bayern eine Herausforderung. Warum die Details bei Manuel Neuer an die Öffentlichkeit gekommen sind, weiß ich nicht. Aber es ist ja in dem Interview auch gesagt worden, dass das nicht richtig ist, was da heraus gekommen ist.“

…. über Spieler-Gehälter: „Was sind normale Gehälter? Im Fußball gibt es Angebot und Nachfrage. Das muss man ausbalancieren. Fakt ist: Wenn in Zukunft weniger Geld eingenommen wird, dann sagt mir meine betriebswirtschaftliche Logik, dann kann ich auch weniger ausgeben. Bei den Spielern ist da viel mehr Verständnis da, als da manchmal rein interpretiert wird. Ich erinnere nur an die Aktion von Goretzka und Kimmich. Die Spieler wissen sehr genau um ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen Bescheid.“

… über Solidarfonds: „Wir profitieren davon, dass der FC Bayern in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich erfolgreich gearbeitet hat. Das gibt Kraft, für die Zukunft zu investieren. Dass der FC Bayern am meisten Fernsehgeld bekommt, finde ich gerecht. Wir werden am meisten im Fernsehen gezeigt. Auch an einem Solidarfonds würde sich der FC Bayern beteiligen. Wir haben ja ein Interesse daran, dass es die Bundesliga gibt. Wir können ja nicht alleine spielen.“

… über die Dortmunder Kampfansage „Dortmund hat ein sehr gutes Spiel gemacht und ist auch eine hervorragende Mannschaft. Wir lieben das auch, wenn es einen Zweikampf oder einen Wettbewerb gibt um die deutsche Meisterschaft. Aber der FC Bayern hat in den letzten sieben Jahren bewiesen, dass er sich diesen Herausforderungen auch stellt und am Ende als Sieger durchs Ziel geht.“

…über Nübels Wechsel zum FC Bayern und die Schalker Torwartfrage: „Schalke hat sich so entschieden, dann müssen sie auch damit umgehen. Eine Ausleihe ist ein anderes Thema. Wir haben ihn geholt, weil er einer der talentiertesten Nachwuchs-Torhüter in Europa ist. Er wollte unbedingt zu Bayern. Wir sind froh, dass wir ihn haben und sind mit ihm und Manuel Neuer sehr gut besetzt. Man muss auch jungen Torhütern Fehler zugestehen. Entscheidend ist das Potenzial. Wir gehen davon aus, dass er das bei Bayern weiter entwickeln kann. Wir müssen auch langfristig planen, wir haben mit Manuel Neuer den weltbesten Torhüter. Aber irgendwann wird er auch aufhören zu spielen. Wir müssen uns um eine adäquate Nachfolge kümmern.“

… über den Meisterkampf und die Partie gegen Dortmund: „Ich glaube aber, dass es danach noch nicht entschieden ist, wer Meister wird. Wir werden alles tun, um unseren Vorsprung ins Ziel zu bringen.“

… über Amtsvorgänger Uli Hoeneß: „Wir sind in ständigem Austausch. Ich bin froh, dass mir Uli Hoeneß nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir sehen uns gerade jede Woche und leiden nicht an mangelnden Kommunikationsmöglichkeiten. Wir sprechen viel über den FC Bayern. Meinungsverschiedenheiten gab es und gibt es. Aber die haben wir hinter den Kulissen ausgetragen und ich bin der Meinung, dass unterschiedliche Meinungen auch ausgesprochen werden müssen. Wir haben aber ein hohes Grundvertrauen zueinander.“

… über seinen Stil: „Ich glaube, dass ich sehr zielorientiert bin, sehr unaufgeregt. Ich dränge nicht in die Öffentlichkeit. Aber wenn ich was im Auge habe, versuche ich das auch hartnäckig zu erreichen. Die wichtigste Aufgabe für den FC Bayern in den nächsten zwei, drei Jahren ist es, diesen Übergang von zwei so bestimmenden Persönlichkeiten wie Hoeneß und Rummenigge zu schaffen. Beide haben den Klub zu einem der größten der Welt gemacht. Man sieht auch in vielen Wirtschaftsunternehmen, dass das auch in die Hose gehen kann. Wir haben mit Hoeneß jetzt den ersten Schritt gemacht, der aufgehört hat. In eineinhalb Jahren hört Rummenigge auf. Diesen Übergang zu managen ist nicht ganz einfach. Aber das kriegen wir gut hin.“

… über Oliver Kahn: „Es ist gut, so einen Rückhalt zu haben. Er ist vielseitig interessiert. Er geht mit viel Akribie an seine Aufgabe heran. Er wird durch die Corona Krise noch schneller in seine Aufgabenbereiche eingearbeitet. Das tut ihm gut. Er hat viele Gespräche bei den Vertragsverlängerungen mit Hasan Salihamidzic geführt. Sie harmonieren sehr gut miteinander.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder:

… über Nübels Wechsel von Schalke zum FC Bayern: „Ich habe als Fan den Eindruck, dass der eine Spieler in den Verein passt und der andere nicht. Am Ende zählt es nur, ob man sich bewährt oder nicht. Bayern oder Dortmund verzeihen wenig Fehler. Er ist ein toller Nachwuchs-Torwart. Man muss erkennen, wann die Zeit des einen vorbei ist, um zu wechseln. Das ist bei Torhütern mit Abstand die schwierigste Entscheidung.“

Dennis Aogo (Ex-Spieler, u.a. FC Schalke 04):

… über die Situation von Dynamo Dresden: „Das ist ein großer Nachteil, wenn du nicht auf dem Platz trainieren kannst. Da hast du eine ganz andere Belastung, wenn du auf dem Platz fußballspezifische Sachen machen kannst oder nur auf dem Spinning Bike sitzt. Das ist auch eine Art von Wettbewerbs-Verzerrung, wobei natürlich niemand was dafür kann.“

über die Schalker Leistung im Derby: „Das war einfach ein Qualitäts-Unterschied. Dortmund war von Anfang an präsenter und spielerisch viel intelligenter. Schalke hat für ganz wenig Entlastung gesorgt und offensiv wenig gemacht.“

Roman Weidenfeller (Ex-Keeper von Borussia Dortmund und Weltmeister 2014):

… über den Einkauf-Fauxpas von Augsburgs Trainer Heiko Herrlich: „Er wollte zu ehrlich sein. Er geht schon strukturiert an die Dinge ran. Ich kenne ihn seit vielen Jahren, er macht sich viele Gedanken. Was ihn geritten hat, weiß ich nicht. Er hätte das geschickter regeln können und eine andere Person in den Supermarkt schicken können. Auch im Hotel gibt es bestimmt Zahnpasta. Das ist unglücklich gelaufen, gerade für die Vorbildfunktion als Trainer ist das schwierig. Er hat jetzt die Möglichkeit, wieder Fuß zu fassen in der Bundesliga und war vielleicht zu sehr gefangen durch die Möglichkeit, wieder trainieren zu dürfen. Er wird richtig gebissen haben.“

… über die Schalker Leistung im Derby: „David Wagner ist dafür bekannt, dass er seine Mannschaft aggressiv in die Defensive stellt und hoch anlaufen lässt. Aber die Räume waren viel zu groß. Da passte gar nichts. Dortmund ist viel zu stark, um diese Kontermöglichkeiten anzunehmen. Dortmund war viel zu flexibel für Schalke, das war sensationell.“

… über den BVB: „In dieser besonderen Situation können sich Spieler heraus kristallisieren, die jetzt ohne das Druckgefühl mehr Freude am Spiel haben. Mo Dahoud ist ein Beispiel. Der BVB hat die Möglichkeiten, Meister zu werden.“

… über Leroy Sane: „Bayern hat den Anspruch, möglichst viele deutsche Nationalspieler zu haben. Mein Informationsstand ist, dass das schon so gut wie sicher ist. Man hat immer Informationsgeber als ehemaliger Profi. Dann muss man dem FC Bayern gratulieren. Vielleicht ist er ja nicht der Einzige.“

SPORT1 Experte Marcel Reif:

… über Bremens Innensenator Ulrich Mäurer: „Ich habe ein Problem mit Herrn Mäurer. Er sagt immer, dass das nicht funktionieren kann. Der kann sagen, wenn das 100 Leute kommen, schicke ich keine Polizei hin. Ist das ein Provinzfürst, der entscheiden kann wie ein Sheriff in Dodge City? Das ist absurd. Ich wünsche ihm nur, dass er morgen auf dem Rathausplatz am Roland keine 10.000 Demonstranten hat, und das sind nicht alles Verschwörungstheoretiker und nicht nur Rechtsradikale. Das sind Menschen, die sagen: Ich kann nicht mehr, ich habe so viele Einschränkungen, ich habe so viele Sorgen um meinen Job. Wir sind aber jetzt in einer Phase, wo wir sagen müssen, wir geben euch so viel wie möglich zurück. Was Mäurer macht, ist mit Polemik nicht hinreichend beschrieben.“

2 Replies to “Herbert Hainer: „Geisterspiele eine Herausforderung“”

Kommentar verfassen